Tolling, zu deutsch „Anlocken“, ist sozusagen die traditionelle Jagdmethode, zu der die Nova Scotia Duck Tolling Retriever mal gezüchtet wurden. Dabei schleicht sich der Hundeführer zusammen mit seinem Hund an ein Gewässer an, auf dem Enten schwimmen. Der Hundeführer geht dann in Deckung und beginnt mit seinem Hund zu spielen, so dass dieser sehr schnell am Ufer hin und her läuft – immer ein paar mal in die selbe Richtung, dann Pause, dann in die andere Richtung. Das soll die Enten anlocken, so dass sie näher schwimmen. Sind sie schließlich nah genug ans Ufer herangeschwommen, werden Enten geschossen und der Hund soll diese aus dem Wasser apportieren.

Angeblich – so geht die Geschichte – haben die Indianer in Nova Scotia Füchse beim Anlocken von Enten beobachtet und dann selbst eben fuchsähnliche, rote Hunde verwendet um das nachzuahmen. Wie viel Wahrheit da drin steckt, weiß kein Mensch – niemand jagd mehr auf diese Weise, aber es gibt z.B. in Schweden oder ein Dänemark offizielle Tolling-Prüfungen, die auf diese Weise ablaufen. Dort wird mit kaltem Wild (Enten, in den höheren Klassen auch Gänse) gearbeitet.
In der Prüfung werden alle Teilaufgaben an einem Stück gearbeitet (anders als z.B. bei jagdlichen Prüfungen für Retriever in Deutschland, oder bei Dummy-Prüfungen, wo zwischen den einzelnen Aufgaben immer lange Pausen sind).

Die Prüfungen laufen immer nach einem ähnlichen Schema ab, der Hundeführer schleicht sich mit seinem Hund frei bei Fuß an das Gewässer an, dort ist üblicherweise eine Blende aufgestellt. Dort beginnt das eigentliche Tolling, der Hundeführer spielt auf Anweisung des Richters mit seinem Hund, wirft ein Spielzeug mehrfach in eine Richtung längs des Ufers, der Hund soll fröhlich und schnell hinterher und das Spielzeug direkt zum Hundeführer zurückbringen. Dabei soll er das Wasser ignorieren. Nach ein paar mal kommt eine Pause hinter der Blende, bei der Hund ruhig im Platz liegen soll, bevor es in die andere Richtung weitergeht. Diesen Teil nennt man „Passivität“. Das Tolling im Wechsel mit Passivität kann mehrfach wiederholt werden.

Danach wird in der Regel eine Wassermarkierung geworfen (eine tote Ente wird nach einem Schuss ins Wasser geworfen, so dass der Hund die Flugbahn sieht. Damit wird quasi die Jagdsituation simuliert. „Markierung“ heißt immer, dass der Hund (zumindest teilweise) sehen kann wohin die Beute fällt – er muss sich dann merken („markieren“) wo sie liegt. Hier soll der Hund dann „steady“ sein, das heißt er soll ruhig sitzenbleiben und erst auf Kommando des Hundeführers auf direktem Weg zur Ente schwimmen und diese ebenso auf direktem Wege zurückbringen. Der Wechsel zwischen dem vorigen Spiel und der geforderten „Steadiness“ vor der Markierung ist dabei für die Hunde nicht ganz einfach.

Nach der Wassermarkierung kommt häuftig eine ausgiebige Suche, je nach Gelände im Wald oder z.B. im Schilf. Bei der Suche simuliert man die Situation, dass weder der Hundeführer noch der Hund gesehen haben, wo die Enten gefallen sind. Hier darf der Hund selbstständig arbeiten, soll seine Nase gut einsetzen und möglichst schnell und effizient Beute (in dem Fall tote Enten oder Gänse) finden und ohne Umweg zum Hundeführer bringen. Der Hund muss meist mehrere Enten (je nach Klasse meist 6 oder mehr) finden und soll dabei immer motiviert bleiben und selbstständig weiterarbeiten.

Im Anschluss an die Suche kommt noch eine oder auch mehrere Landmarkierungen, also hier wird die Ente nicht ins Wasser geworfen, sondern es wird – ebenfalls mit Schuss – simuliert, dass die Ente irgendwo über Land geschossen wird und z.B. in einen bestimmten Bewuchs fällt (z.B. Gebüsch, oder hohes Gras). Der Hund soll sich hier ebenfalls gut merken wo die Beute hingefallen ist (auch wenn mehrere Stücke nacheinander fallen und sie danach erst zu arbeiten sind) und auf Kommando direkt dort hinlaufen und ohne viel Suche die Ente bringen und zum Hundeführer apportieren.

In den höheren Klassen ist auch ein sogenanntes „Blind“ zu arbeiten. Das simuliert die Situation, dass der Hundeführer weiß (oder vom Schützen gesagt bekommt) wo die Beute liegt, der Hund es aber nicht weiß. Der Hundeführer muss seinen Hund dann auf eine Fallstelle einweisen – das heißt, der Hund soll möglichst in grader Linie z.B. quer über’s Wasser ans andere Ufer schwimmen. Anders als bei der Suche, soll der Hund hier also nicht selbstständig großflächig suchen, sondern möglichst auf direktem Weg zum Stück kommen. Wenn der Hund nicht direkt hinfindet, kann der Hundeführer ihn abstoppen und durch rechts- oder linksschicken zur Beute dirigieren. Das ist die „Königsdisziplin“ in der Retrieverarbeit, denn sie fordert einen sehr korrekten Aufbau und auch das Vertrauen des Hundes in seinen Hundeführer.

Die Schwierigkeit für die Hunde ist hier der schnell aufeinanderfolgende Wechsel von verschiedenen „Apportier-Methoden“ – zuerst das recht „undiziplinierte Tolling“ (von 0 auf 100 in 0,5 Sekunden), dann wieder diszipliert warten, bis der Hundeführer schickt (von 100 auf 0), dann die selbstständige Sucharbeit und ggf. das Blind, wo der Hund wieder weniger selbstständig arbeiten soll.
Hier spiegelt sich dann auch das Temperament des Tollers wieder – eben schnell hochdrehen und begeistert spielen. Das ist eine typische Eigenschaft vieler Toller. Was sie härter lernen müssen, ist die andere Richtung – von 100 auf 0. Das ist die große Herausforderung im Zusammenleben mit einem Toller – Ruhe lernen.